In der Beratung von Eltern mit hochsensiblen Kindern ist es spannend zu beobachten, dass häufig nicht nur die Kinder hochsensibel sind, sondern eben auch ihre Eltern. Überraschend kann es durchaus für Eltern sein, die sich – angeregt durch so manche Herausforderung mit ihren aufwachsenden Kindern – erstmals intensiver mit ihrer eigenen Persönlichkeit im Hinblick auf ihre mögliche Hochsensibilität beschäftigen.
Warum lohnt sich dies? Und welche Vorteile können hochsensible Eltern haben?
Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich durch eine erhöhte Empfindsamkeit des Nervensystems gegenüber Reizen im Inneren wie auch im Äußeren auszeichnet. Die Forschungen zur Hochsensibilität und ihrer Vererbbarkeit sind noch im Gange, aber es gibt einige Hinweise darauf, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Wie zum Beispiel, dass bestimmte Gene, die mit der Verarbeitung von Sinneseindrücken und emotionalen Reaktionen in Verbindung stehen, bei hochsensiblen Menschen anders ausgeprägt sein könnten.
Dr. Elaine Aron veröffentlichte im Jahr 2002 die englische Ausgabe „The sensitive child“, ein Standardwerk, das in 2008 erstmals unter dem Titel „Das hochsensible Kind – Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen“ in Deutschland veröffentlicht wurde.
Sie beschreibt sechs grundlegende Vorteile, die Eltern bzw. Elternteile haben, die selbst auch hochsensibel sind:
- Hochsensible Eltern verstehen oft intuitiv und gut, was in ihrem Kind vor sich geht.
- Hochsensible Eltern haben bereits Lebenserfahrungen, was den Umgang mit den Schattenseiten der Hochsensibilität betrifft, auch wenn sie sich dessen möglicherweise erst nach und nach bewusstwerden.
- Sie können mit dazu beitragen, dass sich ihr eigenes Kind selbst annehmen und achten kann, indem sie sich selbst annehmen.
- Sie haben oftmals Antworten auf die Fragen, mit denen sich hochsensible Kinder beschäftigen.
- Sie können in der passenden Form mit ihren Kindern kommunizieren.
Dr. Elaine Aron beschreibt dies wie folgt: „Sensible Menschen kommunizieren vorzugsweise sanft, bei geringer „Lautstärke“, achten auf ihren Tonfall, stellen Fragen und setzen Stille als Kommunikationsmittel ein. Sie verstehen Gesten, Nuancen und Andeutungen.“ (S. 148)
6. Hochsensible Eltern können durchaus gemeinsame Interessen mit ihren Kindern haben.
Laut Aron können sie auch bis zu einem bestimmten Grad ähnliche Geschmäcker und Vorlieben haben, wenn es um Themen wie Essen, Kunst oder Freizeit geht. Die Ähnlichkeiten können trotz der Unterschiede im Hinblick auf die Generationen stärker ausgeprägt sein (vgl. S. 146 bis 149).
Hochsensible Eltern, die ihre Kinder fürsorglich und respektvoll behandeln, erleben häufig, dass sich auch ihre hochsensiblen Kinder respektvoll verhalten können. Typische Eigenschaften wie Kreativität, Gewissenhaftigkeit und auch eine gewisse Ruhe können hochsensible Eltern im Alltag so leben, dass dies auch für ihre hochsensiblen Kindern zu einem unterstützenden Umfeld für ihre Entwicklung werden kann.
Im Blick auf die oben beschriebenen Vorteile nimmt Aron unter anderem auch einige Punkte in den Blick, bei denen hochsensible Eltern besonders aufpassen sollten, zum Beispiel auch nicht zu überfürsorglich zu sein. Die bewusste Ausgewogenheit kann hochsensible Kinder demnach in ihrer individuellen Entwicklung stärken.
Auf insgesamt 486 Seiten gibt Dr. Elaine Aron einen großen Reichtum an Erfahrungen in der Erziehung über die Lebensspanne vom Start ins Leben bis hin zum jungen Erwachsenenalter weiter. „Das hochsensible Kind“ ist nach wie vor ein informatives und lesenswertes Buch für alle, die hochsensible Kinder haben oder auch begleiten.
Mehr zu lesen unter:
Elaine N. Aron, Das hochsensible Kind – Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen, mvg-Verlag, 4. unveränderte Auflage 2012
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